Monitoringinstanzen (Sites)

Letzte Aktualisierung: 14. September 2017


1. OMD – Die Open Monitoring Distribution

Das Check_MK Monitoring System baut auf der Open Monitoring Distribution (OMD) auf. Diese ist ein von Mathias Kettner gegründetes Open-Source-Projekt, das sich rund um komfortable und flexible Installation einer Monitoringlösung aus diversen Komponenten dreht. Die Abkürzung OMD haben Sie bereits als Teil der Namen der installierten RPM/DEB-Pakete kennengelernt.

Eine OMD-basierte Installation zeichnet sich durch einige Eigenschaften aus:

  • die Möglichkeit mehrere Instanzen parallel zu betreiben,
  • die Möglichkeit, dies in unterschiedlichen Versionen der Monitoringsoftware zu tun,
  • einen intelligenten und komfortablen Upgrade/Downgrade-Mechanismus,
  • einheitliche Dateipfade – egal welche Linux-Plattform Sie einsetzen,
  • eine saubere Trennung von Daten und Software,
  • eine sehr einfache Installation – ohne Abhängigkeit von Drittsoftware,
  • eine perfekte Vorkonfiguration aller Komponenten.

2. Erzeugen von Instanzen (Sites)

Das vielleicht Tollste an OMD ist, dass es auf einem Server beliebig viele Monitoringinstanzen verwalten kann. Diese heißen auf Englisch Sites. Jede Instanz ist ein in sich geschlossenes Monitoringsystem, welches von den anderen getrennt läuft.

Eine Instanz hat immer einen eindeutigen Namen, den Sie beim Anlegen vergeben. Dieser ist gleichzeitig der Name eines Linux-Benutzers, der dabei angelegt wird. Der Name folgt also den gleichen Konventionen wie Benutzernamen unter Linux.

Das Anlegen geschieht mit dem Befehl omd create. Dieser muss als root ausgeführt werden:

root@linux# omd create mysite
Adding /opt/omd/sites/mysite/tmp to /etc/fstab.
Restarting Apache...OK
Creating temporary filesystem /omd/sites/mysite/tmp...OK
Created new site mysite with version 2014.11.17.mmk.

  The site can be started with omd start mysite.
  The default web UI is available at http://Klappfisch/mysite/
  The admin user for the web applications is omdadmin with password omd.
  Please do a su - mysite for administration of this site.

Ab 1.4.0 wird bei der Erstellung des Benutzers cmkadmin und ein zufällig generiertes Passwort angelegt und ausgegeben.

Was geschieht beim Anlegen einer Instanz mysite?

  • Ein Betriebssystembenutzer mysite und eine Gruppe mysite werden angelegt.
  • Dessen neues Homevereichnis /omd/sites/mysite wird angelegt und diesem übereignet.
  • Dieses Verzeichnis wird mit Konfigurationsdateien und Verzeichnissen bevölkert.
  • Für die neue Instanz wird eine Grundkonfiguration erstellt.

Wichtig: Vermeiden Sie einen Namen, welcher bereits von einem anderen Dienst belegt ist. Eine doppelte Belegung kann hier zu Problemen führen.

2.1. Benutzer- und Gruppen-IDs

In manchen Fällen möchte man die User-/Gruppen-ID des neu anzulegenden Benutzers festlegen. Dies geschieht mit den Optionen -u und -g, z. B.:

root@linux# omd create -u 6100 -g 180 mysite

Eine Übersicht über weitere Optionen erhalten Sie mit omd create --help. Die wichtigsten Optionen sind:

-u UID Der neue Benutzer wird mit der User-ID UID angelegt.
-g GID Die Gruppe des neuen Benutzers wird mit der Group-ID GID angelegt.
--reuse OMD geht davon aus, dass der neue Benutzer bereits existiert und legt ihn nicht an.
-t SIZE Das tmpfs der neuen Site wird mit der Größe SIZE angelegt. SIZE endet mit M (Megabyte), G (Gigabyte) oder % (Prozent vom RAM). Beispiel: -t 4G

3. Instanz-Benutzer (Site-User)

Die weitere Verwaltung der Instanz erfolgt nun am besten immer mit den Rechten des neu angelegten Benutzers. Der Benutzerwechsel geschieht mit su:

root@linux# su - mysite

Beachten Sie bitte unbedingt das Minuszeichen nach dem su. Es sorgt dafür, dass der Benutzerwechsel alle Operationen durchläuft, die auch bei einer normalen Anmeldung ablaufen. Insbesondere werden alle Umgebungsvariablen korrekt gesetzt und Sie starten Ihr Leben als mysite im Homeverzeichnis der Instanz: in /omd/sites/mysite.

Als Instanz-Benutzer können Sie alle wichtigen Operationen durchführen, die diese Site betreffen. Bei allen entsprechenden omd-Befehlen entfällt dann natürlich die Angabe der Instanz.

4. Starten und Stoppen von Instanzen

Ihre Instanz ist jetzt bereit, gestartet zu werden. Sie können das als root mit omd start mysite machen. Besser ist aber, wenn Sie das Arbeiten mit der Instanz grundsätzlich als Instanz-Benutzer (Site-User) erledigen:

OMD[mysite]:~$ omd start
Starting Livestatus Proxy-Daemon...OK
Starting rrdcached...OK
Starting CMC Rushing Ahead Daemon...OK
Starting Check_MK Micro Core...OK
Starting dedicated Apache for site mysite...OK
Initializing Crontab...OK

Wenig verwunderlich geht das Anhalten mit omd stop:

OMD[mysite]:~$ omd stop
Removing Crontab...
Stopping dedicated Apache for site mysite....OK
Stopping Check_MK Micro Core...killing 15085...OK
Stopping CMC Rushing Ahead Daemon...killing 15071....OK
Stopping rrdcached...waiting for termination...OK
Stopping Livestatus Proxy-Daemon...killing 15049....OK

Das Starten und Stoppen einer Instanz ist nichts anderes als das Starten bzw. Stoppen einer Reihe von Diensten. Diese können auch einzeln verwaltet werden, indem Sie den Namen des Diensts mit angeben, z. B.:

OMD[mysite]:~$ omd start apache
Starting dedicated Apache for site mysite...OK

Wie die einzelnen Dienste heißen, erfahren Sie im Verzeichnis ~/etc/init.d. Bitte beachten Sie die Tilde am Anfang. Diese steht für das Homeverzeichnis des Instanz-Benutzers (das Site-Verzeichnis). Das ist nicht das Gleiche wie /etc/init.d!

Neben start und stop gibt es noch die Befehle restart, reload und status. Das Neuladen von Apache ist z. B. immer nach einer manuellen Änderung der Apache-Konfiguration notwendig. Bitte beachten Sie, dass hier nicht der globale Apache-Prozess des Linux-Servers gemeint ist, sondern ein eigener dedizierter Apache-Prozess in der Site selbst:

OMD[mysite]:~$ omd reload apache
Reloading dedicated Apache for site mysite....OK

Um nach den ganzen Starts und Stops einen Überblick vom Zustand der Site zu erhalten, verwenden Sie einfach omd status:

OMD[mysite]:~$ omd status
liveproxyd:     stopped
rrdcached:      running
cmcrushd:       running
cmc:            stopped
apache:         running
crontab:        running
-----------------------
Overall state:  partially running

5. Löschen von Instanzen

Das Löschen einer Instanz geht ebenso einfach wie das Erzeugen – mit dem Befehl omd rm. Dabei wird die Instanz vorher automatisch gestoppt.

root@linux# omd rm mysite
omd rm mysite
omd rm mysite
PLEASE NOTE: This action removes all configuration files
             and variable data of the site.

In detail the following steps will be done:
- Stop all processes of the site
- Unmount tmpfs of the site
- Remove tmpfs of the site from fstab
- Remove the system user <SITENAME>
- Remove the system group <SITENAME>
- Remove the site home directory
- Restart the system wide apache daemon
 (yes/NO): yes

Man muss wohl nicht extra dazusagen, dass hierbei alle Daten der Instanz gelöscht werden!

Wenn Sie kein Freund von Sicherheitsabfragen sind oder das Löschen in einem Skriptkontext machen wollen, können Sie mit der Option -f das Löschen erzwingen. Achtung: -f muss hier vor dem rm stehen:

root@linux# omd -f rm mysite

6. Konfiguration der Komponenten

Wie bereits erwähnt ist OMD ein System, das mehrere Softwarekomponenten zu einem Monitoringsystem integriert. Dabei sind manche Komponenten optional und für manche gibt es Alternativen oder verschiedene Betriebseinstellungen. Dies alles kann komfortabel mit omd config konfiguriert werden. Dabei gibt es einen Modus für Scripting und einen interaktiven Modus. Letzterer wird als Site-User einfach wie folgt aufgerufen:

OMD[mysite]:~$ omd config

Sobald Sie eine Einstellung ändern, wird Sie OMD darauf hinweisen, dass dazu Ihre Site angehalten sein muss (falls das nicht der Fall ist) und sie bei Bedarf anhalten:

Bitte vergessen Sie nicht, nach getaner Arbeit die Site wieder zu starten. omd config wird das auf jeden Fall nicht für Sie tun.

6.1. Skript-Schnittstelle

Wer den interaktiven Modus nicht liebt oder mit Skripten arbeiten will, kann die einzelnen Variablen auch per Befehl setzen. Dafür gibt es den Befehl omd config set. Folgendes Beispiel setzte die Variable CORE auf cmc:

OMD[mysite]:~$ omd config set CORE cmc

Wie immer können Sie das auch als root aufrufen, wenn Sie den Namen der Site als Argument mit angeben:

root@linux# omd config mysite set CORE cmc

Die aktuelle Belegung aller Variablen bekommen Sie mit omd config show:

OMD[mysite]:~$ omd config show
APACHE_MODE: own
APACHE_TCP_ADDR: 127.0.0.1
APACHE_TCP_PORT: 5000
AUTOSTART: off
CMCRUSHD: on
CORE: cmc
[...]

6.2. Häufig benötigte Einstellungen

In omd config gibt es zahlreiche Einstellungen. Die Wichtigsten sind:

Variable Standard Bedeutung
CORE cmc Auswahl des Monitoringkerns. Neben dem Check_MK Micro Core (cmc) wird auch noch der klassische Nagios-Kern angeboten. In früheren Version war dieser per Default eingestellt.
MKEVENTD on Aktiviert die Check_MK Event Console, mit der Sie Syslog-Meldungen, SNMP-Traps und andere Events verarbeiten können.
MKNOTIFYD on  Check_MK Enterprise Edition: Aktiviert den Notification-Spooler. Dieser dient zum einen zur Weiterleitung von dezentral erzeugten Alarmen an ein zentrales System. Hier wird dann auf der zentralen und auf der dezentralen Seite jeweils der mknotifyd benötigt. Zum anderen kann damit ein asynchrones Zustellen von Benachrichtungen erreicht werden.
AUTOSTART on Stellen Sie dies auf off, wenn Sie verhindern möchten, dass diese Instanz beim Hochfahren des Rechners automatisch gestartet wird. Das ist vor allem bei Testinstallationen, die normalerweise nicht laufen sollen, interessant.
LIVESTATUS_TCP off Hiermit erlauben Sie Zugriff auf die Statusdaten dieser Site von außen. Damit kann ein verteiltes Monitoring aufgebaut werden. Auf der zentralen Instanz kann dann der Status dieser Instanz eingebunden werden. Bitte aktivieren Sie dies nur in einem abgesicherten Netzwerk.

7. Kopieren und Umbenennen von Instanzen

Manchmal ist es zu Testzwecken oder für die Vorbereitung eines Updates nützlich, wenn man eine Kopie einer Instanz erzeugt. Natürlich könnte man jetzt einfach das Verzeichnis /omd/sites/alt nach /omd/sites/neu kopieren. Das würde aber so nicht funktionieren, denn:

  • In vielen Konfigurationsdateien ist der Name der Site enthalten.
  • Auch tauchen an etlichen Stellen absolute Pfade auf, die mit /omd/sites/alt beginnen.
  • Nicht zuletzt muss es einen Benutzer samt zugehöriger Gruppe mit dem Namen der Site geben, dem alles gehört.

Um das Kopieren einer Instanz zu vereinfachen, gibt es daher den Befehl omd cp, welcher all das berücksichtigt. Die Verwendung ist denkbar einfach. Geben Sie als Argumente einfach den Namen der bestehenden Site und dann den Namen der neuen an, z. B.:

root@linux# omd cp alt neu

Das Kopieren geht nur, wenn

  • die Site gestoppt ist und
  • keine Prozesse mehr laufen, die dem Instanz-Benutzer gehören.

Beides stellt sicher, dass die Instanz zum Zeitpunkt des Kopierens in einem konsistenten Zustand ist und sich auch während des Vorgangs nicht ändert.

7.1. Datenmengen einschränken

Wenn Sie eine größere Zahl von Hosts überwachen, können die Datenmengen, die kopiert werden müssen, schon ganz erheblich sein. Der Großteil wird dabei durch die Performancedaten verursacht, die in RRD-Dateien gespeichert sind. Aber auch die Logdateien mit historischen Ereignissen können größere Datenmengen erzeugen. Wenn Sie die Historie nicht benötigen (z. B. weil Sie einfach etwas testen möchten), können Sie diese beim Kopieren auslassen. Dazu dienen folgende Optionen, die Sie bei omd cp angeben können:

--no-rrds Lässt beim Kopieren die Performancedaten (RRDs) wegl
--no-logs Lässt alle Logfiles und übrige historische Daten weg.
-N Dies ist eine Abkürzung für --no-rrds --nologs.

Die Position der Optionen ist dabei wichtig:

root@linux# omd cp --no-rrds alt neu

7.2. Instanzen umbenennen

Das Umbenennen einer Instanz geht mit dem Befehl omd mv. Dies geschieht analog zum Kopieren und hat die gleichen Vorbedingungen. Die Optionen zum Beschränken der Datenmengen existieren hier nicht, weil die Dateien ja einfach nur in ein anderes Verzeichnis verschoben und nicht dupliziert werden. Beispiel:

root@linux# omd mv alt neu

7.3. Weitere Optionen von cp und mv

Bei beiden Operationen werden genauso wie bei create neue Linux-Benutzer angelegt. Deswegen gibt es hier auch einige der Optionen von omd create:

-u UID Der neue Benutzer wird mit der User-ID UID angelegt.
-g GID Die Gruppe des neuen Benutzers wird mit der Group-ID GID angelegt.
--reuse OMD geht davon aus, dass der neue Benutzer bereits existiert und legt ihn nicht an.
-t SIZE Das tmpfs der neuen Site wird mit der Größe SIZE angelegt. SIZE endet mit M (Megabyte), G (Gigabyte) oder % (Prozent vom RAM). Beispiel: -t 4G

8. Änderungen anzeigen mit omd diff

Beim Erzeugen einer neuen Check_MK-Instanz bevölkert der Befehl omd create das Verzeichnis etc mit vielen vordefinierten Konfigurationsdateien. Auch unter var und local werden etliche Verzeichnisse angelegt.

Nun ist es wahrscheinlich so, dass Sie im Laufe der Zeit einige der Dateien anpassen werden. Wenn Sie nach einiger Zeit feststellen möchten, welche Dateien nicht mehr dem Auslieferungszustand entsprechen, können Sie das mit dem Befehl omd diff herausfinden. Nützlich ist dies unter anderem vor einem Update von Check_MK, da hier Ihre Änderungen möglicherweise mit Änderungen der Defaultdateien im Konflikt stehen.

Bei einem Aufruf ohne weitere Argumente sehen Sie alle geänderten Dateien:

OMD[mysite]:~$ omd diff
 * Deleted var/log/nagios.log
 * Changed content var/check_mk/wato/auth/auth.php
 * Changed content etc/htpasswd
 ! Changed permissions etc/htpasswd
 * Changed content etc/diskspace.conf
 * Changed content etc/auth.secret
 * Changed content etc/apache/apache.conf

Sie können beim Aufruf auch ein Verzeichnis angeben:

OMD[mysite]:~$ omd diff etc/apache
 * Changed content etc/apache/apache.conf

Wenn Sie die Änderungen in der Datei im Detail sehen möchten, geben Sie einfach den kompletten Namen der Datei an:

OMD[mysite]:~$ omd diff etc/apache/apache.conf
--- /dev/fd/63  2017-01-24 09:14:46.248968199 +0100
+++ /omd/sites/mysite/etc/apache/apache.conf    2017-01-24 09:12:37.705355164 +0100
@@ -66,8 +66,8 @@
 StartServers         1
 MinSpareServers      1
 MaxSpareServers      5
-ServerLimit          128
-MaxClients           128
+ServerLimit          64
+MaxClients           64
 MaxRequestsPerChild  4000

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9. Instanzen sichern und wiederherstellen

9.1. Instanzen sichern mit omd backup

Die Instanzverwaltung von Check_MK hat einen eingebauten Mechanismus zum Sichern und Wieder­herstellen von Check_MK-Instanzen. Die Grundlage davon sind die Befehle omd backup und omd restore, welche alle Daten einer Instanz in ein tar-Archiv einpacken bzw. wieder auspacken.

Ab Version 1.4.0 verfügt Check_MK zusätzlich über das WATO-Modul Backup, welches Backup und Restore ohne Kommandozeile möglicht macht und auch das Einrichten von regelmäßigen Backupjobs erlaubt.

Das Sichern einer Instanz mit omd backup erfordet keine root-Rechte. Sie können es als Instanz-Benutzer ausführen. Geben Sie einfach als Argument den Namen einer zu erzeugenden Backupdatei an:

OMD[mysite]:~$ omd backup /tmp/mysite.tar.gz

Bitte beachten Sie dabei:

  • Der erzeugte Dateityp ist ein gzip-komprimiertes tar-Archiv. Verwenden Sie daher .tar.gz oder .tgz als Dateiendung.
  • Legen Sie die Sicherung nicht in das Instanzverzeichnis. Denn dieses wird ja komplett gesichert. So würde jedes weitere Backup alle bisherigen als Kopie enthalten!

Wenn das Zielverzeichnis der Sicherung nicht als Instanz-Benutzer schreibbar ist, können Sie die Sicherung auch als root-Benutzer durchführen. Dazu benötigen Sie wie immer als zusätzliches Argument den Namen der zu sichernden Instanz:

root@linux# omd backup mysite /var/backups/mysite.tar.gz

Die Sicherung enthält alle Daten der Instanz – außer den flüchtigen Daten unterhalb von tmp/. Sie können mit dem Befehl tar tzf einfach einen Blick in die Datei werfen:

OMD[mysite]:~$ tar tvzf /tmp/mysite.tar.gz  | less
lrwxrwxrwx mysite/mysite     0 2017-01-24 09:02 mysite/version -> ../../versions/2017.01.16.cee
drwxr-xr-x mysite/mysite     0 2017-01-24 09:12 mysite/
drwxr-xr-x mysite/mysite     0 2017-01-24 09:02 mysite/local/
drwxr-xr-x mysite/mysite     0 2017-01-24 09:02 mysite/local/share/
drwxr-xr-x mysite/mysite     0 2017-01-24 09:02 mysite/local/share/nagvis/
drwxr-xr-x mysite/mysite     0 2017-01-24 09:02 mysite/local/share/nagvis/htdocs/
drwxr-xr-x mysite/mysite     0 2017-01-24 09:02 mysite/local/share/nagvis/htdocs/userfiles/
drwxr-xr-x mysite/mysite     0 2017-01-24 09:02 mysite/local/share/nagvis/htdocs/userfiles/styles/
drwxr-xr-x mysite/mysite     0 2017-01-24 09:02 mysite/local/share/nagvis/htdocs/userfiles/scripts/
drwxr-xr-x mysite/mysite     0 2017-01-24 09:02 mysite/local/share/nagvis/htdocs/userfiles/templates/
drwxr-xr-x mysite/mysite     0 2017-01-24 09:02 mysite/local/share/nagvis/htdocs/userfiles/gadgets/

9.2. Backup ohne Historie

Der Löwenanteil der Daten einer Instanzsicherung sind die in den RRDs aufgezeichneten Messdaten. Auch die Monitoringhistorie kann sehr groß werden. Wenn Sie beides nicht zwingend benötigen, können Sie mit folgenden Optionen auf historische Daten verzichten und so die Sicherung deutlich kleiner und schneller machen. Die Optionen müssen jeweils hinter das Wort backup gestellt werden:

--no-rrds Verzichtet auf die Sicherung der RRD-Datenbanken (Messdaten).
--no-logs Verzichtet auf die in den Logdateien gespeicherte Monitoringhistorie.
-N Ist eine Abkürzung für --no-rrds --no-logs.

Beispiel:

OMD[mysite]:~$ omd backup -N /tmp/mysite.tar.gz

9.3. Backup bei laufender Instanz

Die Sicherung ist nicht darauf angewiesen, dass die Instanz gestoppt ist und kann auch bei einem laufenden System durchgeführt werden. Um einen konsistenten Stand der für das Aufzeichnen der Messdaten verwendeten RRDs zu gewährleisten, versetzt der Befehl omd backup den Round-Robin-Cache automatisch in einen Modus, bei dem laufende Updates nur noch in das Journal und nicht mehr in die RRDs geschrieben werden. Die Journaldateien werden zu allerletzt gesichert. Damit wird erreicht, dass möglichst viele der Messdaten, die während der Sicherung angefallen sind, noch mitgesichert werden.

9.4. Restore

Das Zurückspielen einer Sicherung ist ebenso einfach wie das Sichern selbst. Der Befehl omd restore stellt eine Instanz aus einer Sicherung wieder her. Dies ist sogar als Instanz-Benutzer möglich. Die Instanz muss dabei gestoppt sein. Die Instanz wird dabei nicht neu angelegt (was root-Rechte erfordern würde), sondern komplett geleert und neu befüllt:

OMD[mysite]:~$ omd stop
OMD[mysite]:~$ omd restore /tmp/mysite.tar.gz

Nach dem Restore muss die Instanz noch gestartet werden:

OMD[mysite]:~$ omd start

Auch als root-Benutzer ist ein Wiederherstellen möglich. Falls noch eine Instanz mit dem gleichen Namen exisitert, müssen Sie diese allerdings vorher entfernen. Das können Sie entweder mit einem omd rm erledigen oder einfach die Option --reuse mit angeben. Ein --kill sorgt zusätzlich dafür, dass die noch bestehende Instanz vorher gestopp wird. Den Namen der Instanz brauchen Sie beim restore nicht anzugeben, da dieser in der Sicherung enthalten ist:

root@linux# omd restore --reuse --kill /var/backup/mysite.tar.gz
root@linux# omd start mysite

Bei Verwendung als root können Sie Instanzen auch mit einem anderen Namen als dem in der Sicherung wiederherstellen. Geben Sie dazu den gewünschten Namen als Argument hinter dem Wort restore an:

root@linux# omd restore mysite2 /var/backup/mysite.tar.gz
Restoring site mysite2 from /tmp/mysite.tar.gz...
 * Converted      ./.modulebuildrc
 * Converted      ./.profile
 * Converted      .pip/pip.conf
 * Converted      etc/logrotate.conf

Die lange Liste der Konvertierungen, die hier stattfinden, hat den gleichen Grund wie bei dem weiter oben beschriebenen Umbenennen von Instanzen: Der Name der Instanz kommt in etlichen Konfigurationsdateien vor und wird hier automatisch durch den neuen Namen ersetzt.

9.5. Livemigration von Instanzen mit Backup & Restore

Die Befehle omd backup und omd restore können – in guter alter Unix-Tradition – anstelle von Dateien auch über die Standard-Ein-/Ausgabe arbeiten. Geben Sie hierzu anstelle eines Pfads für die tar-Datei einfach einen Bindestrich an (-).

Auf diese Art können Sie eine Pipe aufbauen und die Daten ohne Zwischendatei direkt auf einen anderen Rechner „streamen“. Je größer die Sicherung ist, desto nützlicher ist das, denn so wird kein temporärer Platz im Dateisystem des gesicherten Servers benötigt.

Folgender Befehl sichert eine Instanz per SSH auf einen anderen Rechner:

root@linux# omd backup mysite - | ssh user@otherserver "cat > /var/backup/mysite.tar.gz"

Wenn Sie den SSH-Zugriff umdrehen, sich also lieber vom Sicherungsserver auf die Check_MK-Instanz verbinden möchten, so geht auch das, wie folgendes Beispiel zeigt. Dazu muss zuvor ein SSH-Login als Instanz-Benutzer erlaubt werden:

root@otherserver# ssh mysite@checkmkserver "omd backup -" > /var/backup/mysite.tar.gz

Wenn Sie das geschickt mit einem omd restore kombinieren, das die Daten von der Standardeingabe liest, können Sie eine komplette Instanz im laufenden Betrieb von einem Server auf einen anderen kopieren – und das ohne irgendeinen zusätzlichen Platz für eine Sicherungsdatei:

root@otherserver# ssh mysite@checkmkserver "omd backup -" | omd restore - 

Und jetzt nochmal das Ganze mit umgedrehtem SSH-Zugriff – diesmal wieder vom Quellsystem auf das Zielsystem:

root@linux# omd backup mysite - | ssh root@otherserver "omd restore -"