Verwaltung der Hosts


1. Einleitung

Die wichtigste Aufgabe beim Einrichten des Monitorings ist sicherlich das Verwalten der zu überwachenden Systeme – der Hosts. Dabei geht es nicht nur darum, dass diese mit den richtigen Stammdaten (z. B. Hostname, IP-Adresse) eingetragen sind. Auch Einstellungen für das Monitoring (z. B. Alarmierung, Schwellwerte, usw.) wollen gepflegt werden.

Check_MK wurde von an Anfang für Umgebungen mit sehr vielen Hosts entworfen. Um hier die Konfiguration für den Nutzer beherrschbar zu machen, verfolgt Check_MK bei der Konfiguration einen anderen Ansatz als alle anderen Systeme, die aus dem Ökosystem von Nagios heraus enstanden sind. Die wichtigsten Prinzipien sind:

  • Eine Hierarchie von Ordnern, in denen Hosts abgelegt werden
  • Hostmerkmale (Host-Tags) und eine darauf basierende regelbasierte Konfiguration
  • Automatische Erkennung der zu überwachenden Services

1.1. Ordner und ihre Hierarchie

Jeder, der mit Computern arbeitet, kennt das Prinzip von Dateien und Ordnern. WATO verwendet ein analoges Prinzip für die Verwaltung der Hosts, welche quasi die Rolle der Dateien übernehmen. Da Ordner selbst in Ordnern enthalten sein können, ergibt sich eine Baumstruktur. Dabei sind drei Kriterien für den Aufbau des Host-Baums verbreitet:

  • Standort (z. B. München versus Shanghai)
  • Host-Typ (z. B. Switch versus Loadbalancer)
  • Organisationsstruktur (z. B. Datenbankgruppe versus Netzwerker)

Natürlich können Sie das auch mischen, also z. B. in der ersten Ebene des Baums Aufteilung nach Standort, in der zweiten dann nach Host-Typ.

Wenn Sie einfache Dinge lieben, sollten Sie die eigentlichen Hosts nur in die „Blätter“ des Baums packen (auch wenn Check_MK Hosts in mittleren Ordnern erlaubt). Folgendes Beispiel zeigt eine einfache Baumstruktur nach Host-Typ: Die Hosts A, B und C sind im Ordner Server und D, E und F in Network:

1.2. Vererbung von Attributen

Wenn Sie den Baum geschickt aufbauen, können Sie ihn nutzen, um sinnvoll Attribute zu vererben. Das ist vor allem bei solchen Attributen nützlich, die bei großen Gruppen von Hosts gleich sind, wie z. B. die SNMP-Community oder Host-Merkmale wie der Agent Type, mit dem Sie festlegen, ob der Host per SNMP oder per Check_MK-Agent überwacht werden soll.

Folgendes Beispiel zeigt die Vererbung der Merkmale Agent Type mit den Ausprägungen cmk-agent und snmp-only sowie des Merkmals Criticality mit den Ausprägungen prod und test:

Weiter unten im Baum definierte Attribute haben immer Vorrang. Direkt beim Host festgelegte Werte überschreiben also alles, was von den Ordnern kommt. In obigem Beispiel ergeben sich so für den Host A die Merkmale prod und cmk-agent, für D prod und snmp-only und für den Host F wegen des expliziten Attributs die Werte test und snmp-only.

Ein großer Vorteil dieses Schemas gegenüber dem weit verbreiteten Copy & Paste-Ansatz von datenbank­orientierten Konfigurationsystemen: Sie können so Attribute für Hosts festlegen, die erst in Zukunft aufgenommen werden. Das macht die Arbeit für Sie (oder Ihre Kollegen) leichter: Einfach den neuen Host in den richtigen Ordner werfen und alle Einstellungen stimmen automatisch!

1.3. Berechtigungen

Ein weiterer Zweck der Ordner ist die Vergabe von Berechtigungen für das Anlegen und Bearbeiten von Hosts. Check_MK unterscheidet dabei die Rechte in WATO von den Kontaktzuordnungen im Monitoring. Denn es ist nicht immer gesagt, dass die gleichen Personen, die das Recht haben, einen Host anzulegen, auch diejenigen sind, die im operativen Monitoring für diesen Host verantwortlich sind. Die Berechtigungen werden in einem eigenen Artikel erläutert.

Das Anlegen neuer Ordner erledigen Sie über . Die Optionen sind dieselben wie beim Anlegen neuer Hosts, was wir im Folgenden detailliert erläutern.

2. Hosts anlegen in WATO

Zur Verwaltung der Ordner und Hosts gelangen Sie über das WATO-Modul Hosts:

In welchem Ordner Sie sich befinden, sehen Sie jederzeit an folgender Leiste:

Das Anlegen eines neuen Hosts über den Knopf , das Klonen eines bestehenden Hosts und auch das Editieren eines Hosts, bringt Sie zu der Seite mit den Attributen des Hosts. Diese ist in drei Abschnitte eingeteilt:

2.1. Der Hostname

Am wichtigsten ist der Hostname. Dieses Feld dient überall innerhalb von Check_MK zur eindeutigen Identifizierung des Hosts. Der Hostname wird in interne Referenzen eingetragen, als Teil von URLs verwendet, dient als Teil von Dateinamen und Verzeichnissen, taucht in Logdateien auf usw. Es gibt zwar eine Funktion, um Hostnamen später zu ändern, dies ist aber ein aufwendiger und komplexer Vorgang, den Sie vermeiden sollten. Wählen Sie daher den Namen sorgfältig. Der Hostname muss nicht unbedingt mit dem DNS-Namen des Hosts übereinstimmen, aber es macht etliche Dinge einfacher.

2.2. Basic Settings: Alias und IP-Adresse

In den Basic settings können Sie unter Alias einen alternativen, beschreibenden Namen für den Host vergeben, welcher an vielen Stellen in der GUI und in Berichten angezeigt wird. Vergeben Sie kein Alias, so wird als Alias der Hostname verwendet.

Für die Konfiguration der IP-Adresse haben Sie vier Möglichkeiten:

Möglichkeit Vorgehen DNS passiert
1 Sie geben keine IP-Adresse an. Der Hostname muss per DNS auflösbar sein. bei Activate Changes
2 Sie geben eine Adresse ein – in der üblichen Punkt-Notation. nie
3 Sie geben anstelle einer IP-Adresse einen alternativen Hostnamen ein, welcher per DNS auflösbar ist. beim Ausführen der Checks
4 Über den Regelsatz Hosts with dynamic DNS lookup during monitoring bestimmen Sie Hosts für ein dymisches DNS. Das Resultat ist analog zu 3, nur dass für die DNS-Anfrage jetzt das Feld Hostname verwendet wird. beim Ausführen der Checks

Bei der Methode Hostname verwendet Check_MK eine Cache-Datei, um wiederholte DNS-Anfragen während des Activate Changes zu vermeiden. Dieser Cache ist sehr wichtig für die Beschleunigung des Vorgangs. Außerdem sorgt er dafür, dass Sie eine geänderte Konfiguration auch dann aktivieren können, wenn das DNS einmal nicht funktioniert.

Der Haken ist, dass Check_MK die Änderung einer IP-Adresse im DNS nicht automatisch mitbekommt. Deswegen gibt es in den Hostdetails den Knopf , welcher den kompletten DNS-Cache löscht und beim nächsten Activate Changes eine neue Auflösung erzwingt. Diese Datei liegt übrigens in Ihrer Instanz unter ~/var/check_mk/ipaddresses.cache. Das Löschen dieser Datei hat den gleichen Effekt wie der besagte Knopf.

Check_MK unterstützt übrigens auch Monitoring via IPv6 – auch im Dualstack. Einzelheiten erklärt ein eigener Artikel.

2.3. Host tags: Check_MK-Agent oder SNMP

Die letzte wichtige Einstellung geschieht im Kasten Host tags. Die hier angezeigten Merkmale können Sie beliebig erweitern und dazu verwenden, um über Regeln sehr effizient alle Parameter von Hosts und Services zu konfigurieren.

Check_MK erzeugt für Sie automatisch vier Gruppen von Merkmalen, von denen Agent type und IP Address Family wichtig sind, da diese bereits über vorhandene Regeln ausgewertet werden und quasi „scharf geschaltet“ sind. Criticality und Network Segment sind lediglich Beispiele.

Für den Agent type sind die wichtigsten drei Einstellungen:

Check_MK AgentDer Host soll über den Check_MK-Agenten überwacht werden (welcher natürlich dazu installiert sein muss). Auch im Falle von Spezial-Agenten, wie z. B. beim ESX-Monitoring, wählen Sie diese Einstellung.
SNMPDer Host soll über SNMP überwacht werden. Diese Auswahl lässt in den Basic settings das Feld SNMP Community auftauchen, mit der Sie die SNMP-Community festlegen können. Da diese meist für viele Host gleich ist, empfiehlt sich aber eher, das im Ordner zu hinterlegen. Wenn Sie garnichts spezifizieren, wird automatisch public angenommen.
No Agent Solche Host werden agentenlos und nur mit aktiven Checks überwacht. Regeln dafür finden Sie in WATO unter Host & Service Parameters ➳ Active checks. Wenn Sie nicht mindestens einen aktiven Check definieren, so erzeugt Check_MK automatisch einen PING-Service.

Die Einstellung No Agent ist auch die richtige, falls der Host per Huckepackverfahren (piggyback) von einem anderen Host aus überwacht wird. Dies gilt z. B. für VMs von ESX, auf denen kein Check_MK-Agent installiert ist.

2.4. Speichern und weiter

Beim Neuanlegen oder Klonen eines Hosts ist der nächste sinnvolle Schritt immer Save & go to Services. Damit gelangen Sie in die automatische Serviceerkennung, der wir uns im nächsten Abschnitt widmen wollen. Save & Test bringt Sie in den Diagnosemodus, mit dem Sie erstmal testen können, ob Sie mit den gemachten Einstellungen überhaupt Daten vom Agenten bekommen. Einzelheiten zum Diagnosemodus finden Sie im Artikel über die Agenten.

3. Konfiguration der Services

Der nächste Schritt nach dem Anlegen eines Hosts ist die Kon­figuration der darauf zu überwachenden Services. Alle Einzelheiten der automatischen Erkennung und Konfiguration der Services erfahren Sie in einem eigenen Artikel. Wir schildern hier nur das Wichtigste.


Zur Liste der konfigurierten Services eines Hosts in WATO gelangen Sie

  • mit dem Knopf Save & go to Services auf der Detailseite eines Hosts,
  • mit dem Knopf auf der Detailseite eines Hosts (ohne zu speichern),
  • mit dem Symbol in der Liste der Hosts in einem Ordner und
  • beim Service Check_MK Discovery im Menü mit dem Eintrag Edit Services.

Dazu einige Hinweise:

  • Der normale Weg nach dem Anlegen eines neuen Hosts ist der Knopf Save manual check configuration, welcher alle gefundenen Services zur Überwachung übernimmt (Available (missing) services).
  • Wenn Sie die Seite für einen bestehenden Host aufrufen, bei dem Services gefunden wurden, die aktuell nicht überwacht werden, ist der Knopf Activate missing sinnvoll. Dieser fügt die fehlenden Services hinzu.
  • Der Knopf Full scan sorgt dafür, dass frische vollständige Daten vom Zielgerät geholt werden. Denn um einen schnellen Seitenaufbau zu ermöglichten, arbeitet Check_MK mit gecachten Dateien, die beim normalen Monitoring aufgezeichnet werden. Bei SNMP-Geräten löst der Knopf eine aktive Suche nach neuen Check-Plugins aus und findet eventuell weitere Services.
  • Automatic Refresh ist das Gleiche wie ein Entfernen und Neuermitteln aller Services. Das ist bei Services nützlich, die sich bei der Erkennung einen aktuellen Zustand merken (z. B. der aktuelle Zustand von Switch-Ports).
  • Über die Checkboxen können Sie einzelne Services an- oder abwählen. Dies ist nur eine vorübergehende Lösung, da die Serviceerkennung fehlende Services immer wieder aufzeigen wird. Ein permanentes Ignorieren erfordert das Anlegen einer Regel und geschieht mit dem Symbol.
  • Nach jeder Änderung ist wie immer ein Activate Changes nötig, um diese wirksam zu machen.
  • Alles Weitere erfahren Sie im Artikel über die Service-Konfiguration.

4. Bulkoperationen

Gelegentlich kommt es vor, dass Sie Dinge wie Löschen, Verschieben, Editieren oder Service­erkennung für eine ganze Reihe von Hosts gleichzeitig machen möchten. Dazu bietet WATO sogenannte Bulkoperationen. Diese beziehen sich immer auf die Hosts, die direkt in einem Ordner liegen. Sie können die Auswahl einschränken: durch die Eingabe eines Suchtexts links von Search oder durch Checkboxen, welche Sie dazu mit aktivieren. Durch einen anschließenden Klick auf einen der Knöpfe in der Bulk-Leiste wird dann die Operation für alle Hosts ausgeführt oder zumindest eingeleitet.

Hier einige Hinweise zu den nicht ganz offensichtlichen Operationen:

4.1. Edit und Cleanup

Edit ermöglicht das Ändern eines oder mehrerer Attribute auf allen gewählten Hosts. Das Attribut wird dadurch in die Hosts explizit eingetragen. Achtung: Es ist ein Unterschied, ob ein Host ein Attribut von einem Ordner erbt oder es explizit gesetzt ist. Warum? In letzterem Fall wird eine Änderung der Attribute im Ordner keine Wirkung haben, da Werte, die direkt beim Host festgelegt sind, immer Vorrang haben.

Aus diesem Grund gibt es auch die Operation Cleanup. Damit entfernen Sie von den ausgewählten Hosts explizite Attribute und setzen die Vererbung wieder in Kraft. Das Gleiche würden Sie erreichen, wenn Sie jeden Host einzeln auswählen und die Checkboxen bei den betroffenen Attributen abwählen würden.

Generell ist es eine gute Idee, so wenig explizite Attribute wie möglich zu verwenden. Wenn alles korrekt über die Ordner vererbt wird, vermeidet das Fehler und ermöglicht das bequeme Aufnehmen von neuen Hosts.

4.2. Discovery

Details hierzu erfahren Sie im Artikel zu den Services.

5. Hostsuche in WATO

WATO bietet eine eigene Suchfunktion für konfigurierte Hosts, mit der Sie über Ordnergrenzen hinaus suchen können. Warum können Sie nicht einfach über die Ansichten im Monitoring suchen? Um einen einzelnen Host zu suchen, geht das sicher auch. Über das Symbol gelangen Sie dann zu diesem Host in WATO.

Aber erinnern wir uns: Im Einleitungsartikel zu WATO haben wir gesehen, dass die Hosts in der Konfi­gurations­umgebung nicht unbedingt die gleichen sind, wie im operativen Monitoring. Außerdem bietet die WATO-Suche die Möglichkeit, mit den gefundenen Hosts sogleich Bulkoperationen durchzuführen.

Die Suche erreichen Sie über den Knopf , den Sie in jedem Ordner finden. Die Suche geht immer vom aktuellen Ordner aus rekursiv in alle Unterordner. Um global zu suchen, verwenden Sie einfach die Suche vom Hauptordner aus. Beim Feld Hostname gilt hier eine Infix-Suche – der eingegebene Text muss nur im Hostnamen enthalten sein. Ferner können Sie die Suche auch über Merkmale oder andere Attribute einschränken:

Alle Bedingungen werden mit UND verknüpft. Das Beispiel aus der Abbilung sucht also alle Hosts mit dem Merkmal Test system, welche gleichzeitig ora in ihrem Namen haben.

Die Ergebnisliste verhält sich fast wie ein normaler Ordner. Das bedeutet, dass Sie hier mit Bulkoperationen arbeiten können, um z. B. alle gefundenen Hosts in einen bestimmten Ordner zu verschieben. Wenn Ihnen das Ergebnis nicht gefällt, können Sie die Suche jederzeit mit anpassen und verfeinern.

6. Import von Hosts über CSV-Datei

Wenn Sie eine größere Anzahl von Hosts aus einem früheren Monitoringsystem oder einer Excel-Tabelle übernehmen möchten, können Sie sich die Arbeit einfacher machen, indem Sie Hosts mithilfe einer CSV-Datei importieren. Check_MK ist beim Einlesen von CSV-Dateien recht flexibel. Im einfachsten Fall haben Sie schlicht eine Datei, in der in jeder Zeile ein Hostname steht, der per DNS auflösbar ist:

import.csv
myserver01
myserver02
myserver03

Es ist aber auch möglich, beim Import gleich weitere Attribute zu übernehmen. Wenn die CSV-Datei in der ersten Zeile Namen der Attribute enthält, kann Check_MK diese sogar automatisch zuordnen. Dabei versucht Check_MK tolerant gegenüber einer genauen Schreibweise zu sein. In folgender Datei kann WATO automatisch alle vier Spalten korrekt zuordnen:

import.csv
hostname;ip address;alias;agent
srvlnx17;10.0.0.10;web99;cmk-agent
srvlnx18;10.0.0.32;Backupserver;cmk-agent
switch47-11;;Backpserver23;snmp-only

Das Vorgehen ist wie folgt: Wählen oder erstellen Sie einen Ordner, in den der Import erfolgen soll. Wechseln Sie in diesen Ordner und klicken Sie auf . Im folgenden Dialog laden Sie entweder die Datei hoch oder wählen Content of CSV file und kopieren den Inhalt in das Feld, das nun erscheint. Sie können auf den neu importierten Hosts sogleich eine automatische Serviceerkennung ausführen lassen. Dafür sorgt die Option Perform automatic service discovery:

Die Auswahl eines Trennzeichens im nächsten Schritt ist hier nicht notwendig, weil dieses automatisch erkannt wird. Wählen Sie die Option Has title line:

Ein Klick auf Update preview zeigt Ihnen nun folgende Tabelle:

Falls die automatische Erkennung einer Spalte nicht klappt, können Sie auch manuell das Attribut auswählen, welches zugeordnet werden soll. Bei den Hostmerkmalen muss in der CSV-Datei unbedingt der interne Name des Merkmals stehen (hier z. B. cmk-agent und nicht Check_MK Agent (Server)). Wie die internen Namen genau lauten, können Sie im WATO-Modul der Hostmerkmale nachsehen.

Falls Sie weiter oben die Option Perform automatic service discovery gewählt haben, kommt nun noch die gleiche Maske, wie bei der Bulk discovery. Nach Abschluss der Erkennung fehlt nur noch das gewohnte Activate Changes und alle neuen Hosts sind im Monitoring!

7. Parents anlegen

7.1. Parents manuell anlegen

Wie Parents funktionieren, haben Sie bereits gelernt und auch was es mit Zuständen von Hosts und Alarmierungen auf sich hat, ist bekannt. Aber wie legt man Parents überhaupt an? Die Antwort ist typisch Check_MK: Es gibt unterschiedliche Vorgehensweisen: Manuell, per Scan oder über die Web-API.

Einen Parent für einen einzelnen Host legen Sie so fest: Öffnen Sie die Eigenschaften des gewünschten Hosts über WATO ➳ Hosts. Im Bereich Basic Settings tragen Sie den Parent über seinen Namen oder die IP-Adresse ein. Sobald ein Parent angegeben wird, erscheint ein weiteres Eingabefeld für einen zusätzlichen Parent.

Wichtig: Es werden immer nur direkte Parent-Hosts angegeben.

Analog lassen sich Parents auch in den Eigenschaften von Ordnern festlegen und auf die beinhalteten Hosts vererben. Wie das geht, haben Sie bereits im Abschnitt zu der Host-Verwaltung gelesen.

7.2. Parents per Scan anlegen lassen

Wenn Sie Ihr Monitoring frisch aufsetzen und von vorne herein sauber mit Ordnern und Parents planen, werden Sie mit der Parent-Vererbung über Ordner vermutlich gut zurecht kommen. Sie können Parents aber auch über einen Scan automatisch einrichten lassen. Den Parent scan finden Sie unter WATO ➳ Hosts in jedem einzelnen Ordner.

Der Scan sucht über das IP-Protokoll auf dem Network Layer des OSI-Modells (Schicht 3) via traceroute nach dem letzten Gateway vor einem Host. Wird ein solches Gateway gefunden und gehört dessen Adresse zu einem Ihrer überwachten Hosts, so wird dieser als Parent gesetzt. Bekommt traceroute von den Hops vor dem anvisierten Host keine Informationen, so wird der letzte erfolgreiche Hop verwendet.

Wird jedoch kein Gateway mit einer überwachten IP-Adresse gefunden, legt Check_MK per Default einen künstlichen Ping-only-Host an, standardmäßig im Ordner Parent, der gleich mit angelegt wird.

Diese Standardeinstellung kann auch zu unerwünschten Ergebnissen führen: Nehmen Sie ein typisches, kleines Netzwerk mit dem Adressbereich 192.168.178.0/24. Wird in dieses Monitoring nun ein Host mit einer Adresse aus einem anderen Adressbereich aufgenommen, der nicht angepingt werden kann, so versucht der Scan den Weg über den Router – und findet dort nur den Knotenpunkt des Netz-Providers. Und so könnte dann zum Beispiel ein Telekom-Server aus dem WAN-Bereich als Parent für diesen Host gesetzt werden. Natürlich können Sie diese Option deaktivieren.

Wenn Sie einen Ordner mit neuen Hosts auf Parents scannen wollen, gehen Sie wie folgt vor:

Navigieren Sie zunächst in den gewünschten Ordner und klicken Sie auf Parent scan.

Anschließend öffnet sich die Scan-Konfiguration. Um alle Hosts in allen Unterordnern komplett neu einzuscannen, unabhängig von eventuell manuell gesetzten Parents, wählen Sie unter Selection die Optionen Include all subfolders und Scan all hosts. Im Bereich Performance können Sie die Scan-Dauer anpassen, die bei vielen Hosts recht lang ausfallen kann.

Unter Creation of gateway hosts bestimmen Sie, ob, wie und unter welchem Alias neu erzeugte Parent-Hosts erzeugt werden. Deaktivieren Sie die Funktion, wenn Sie Parents auf überwachte Hosts beschränken wollen.

Starten Sie nun den Scan. Die Ausgabe des Scans können Sie live mitverfolgen. Nach Abschluss müssen Sie die Änderungen wie üblich über aktivieren. Anschließend sehen Sie die konfigurierten Parents sowie gegebenenfalls einen neuen Ordner Parents unter WATO ➳ Hosts.

Damit ist der Scan abgeschlossen.

Nach einem durchgeführten Scan werden die Parent-Child-Beziehungen automatisch als Topologie-Karte visualisiert, die Sie über Views ➳ Network Topology aufrufen können.

Tipp: Wenn die Ergebnisse des Scans an einigen Stellen nicht plausibel erscheinen, ist ein manueller traceroute-Aufruf bisweilen hilfreich, um die einzelnen Hops nachzuvollziehen.

Sie können übrigens auch, statt eines ganzen Ordners, nur eine Auswahl von Hosts scannen lassen: Aktivieren Sie zunächst über die Checkboxen, markieren Sie die gewünschten Hosts und starten Sie anschließend die Gruppenaktion Parentscan.

7.3. Parents ohne WATO anlegen

Für versierte Nutzer gibt es die Möglichkeit, Parents über die Web-API zu konfigurieren.

8. Hosts umbenennen

Das Umbenennen von Hosts – auf den ersten Blick eine einfache Sache – entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine erstaunlich komplexe Operation. Der Grund ist, dass Check_MK den Namen des Hosts als eindeutigen Schlüssel für den Host verwendet – und das an zahlreichen Stellen. Dazu gehören auch Logdateien, Dateinamen, Konfigurationsregeln, BI-Aggregationen, Berichte, Dashboards und vieles mehr. Auch taucht der Hostname in URLs auf.

Um einen Host an allen Stellen sauber umzubenennen, besitzt WATO eine eigene Funktion. Sie können einen einzelnen Host über den Knopf in dessen Detail-Ansicht umbenennen oder über den Knopf in einem Order gleich eine Vielzahl von Hosts gleichzeitig.

Das Bulk renaming erlaubt dabei über intelligente Operationen systematische Namensanpassungen. Im Feld Hostname matching geben Sie zunächst optional einen regulären Ausdruck an, der auf den Anfang der Hosts matcht, welche Sie umbenennen möchten – hier im Beispiel also alle Hosts, die mit mysrv beginnen. Dann fügen Sie eine oder mehrere Operationen ein, die der Reihenfolge nach auf die Hostnamen angewendet werden sollen. In folgendem Beispiel wird von allen Hosts zunächst alles ab dem ersten . abgeschnitten und danach die Endung .servers angefügt:

Es stehen zahlreiche Operationen zur Verfügung. Bitte aktivieren Sie die Online-Hilfe und wählen Sie eine Operation aus, um eine Erklärung dazu zu bekommen. Nach der obligatorischen „Sind Sie sicher...-Abfrage“ …

… kann es eine Weile dauern. Während der Umbenennung wird das Monitoring komplett gestoppt! Dies ist notwendig, um alles in einem konsistenten Zustand zu halten. Am Ende erhalten Sie eine Übersicht, wo genau Umbenennungen stattgefunden haben:

9. Hostgruppen

9.1. Wofür Hostgruppen?

Hostgruppen gehören zu den Grundlagen des Monitorings mit Check_MK. Sie ermöglichen eine zweite Ebene der Gruppierung von Hosts quer über die Ordnerstruktur. Dazu ein Beispiel: Sie haben über die Ordner Ihre Standorte abgebildet. Nun wollen Sie aber alle Linux- oder bestimmte Application-Server gemeinsam betrachten. Über eine Hostgruppe können Sie dann entsprechende Ansichten generieren, NagVis-Karten erstellen sowie Alarmierungen und Alerthandler anpassen. Im Gegensatz zu Hostmerkmalen tauchen Hostgruppen nicht als Auswahlkriterien in Regeln auf: Hostgruppen dienen den Ansichten, Hostmerkmale der Konfiguration. Sie finden die Hostgruppen unter WATO ➳ Host & Service Groups:

9.2. Hostgruppen anlegen und editieren

Eine neue Hostgruppe legen Sie über an. Das Anlegen ist trivial und beschränkt sich auf die Vergabe eines eindeutigen Namens, welcher später nicht mehr geändert werden kann, sowie eines Alias:

Wie üblich müssen Sie die Änderungen anschließend noch über aktivieren.

9.3. Hosts in Hostgruppe aufnehmen

Um Hosts in Hostgruppen aufzunehmen, bemühen Sie den Regelsatz Assignment of hosts to host groups, den Sie unter WATO ➳ Host & Service Parameters ➳ Grouping finden. Legen Sie über eine neue Regel im gewünschten Ordner an. Zunächst bestimmen Sie im Bereich Assignment of hosts to host groups, welcher Hostgruppe Hosts zugeordnet werden sollen; im Beispiel etwa der Gruppe myhostgroup beziehungsweise dessen Alias My Host Group:

Anschließend kümmern Sie sich im Bereich Conditions um den oder die Filter. Sie können Hosts nach Hostmerkmalen und Ordner filtern oder spezifische Hosts angeben. Filter lassen sich natürlich auch kombinieren, um die Gruppe einzuschränken. Möchten Sie Hosts mit zwei Merkmalen aus ein und derselben Merkmalsgruppe in die Hostgruppe aufnehmen, müssen Sie zwei separate Regeln anlegen. Generell sind die Gruppenzuordnungen kumulativ. Hosts können in mehreren Gruppen sein und Gruppen von mehreren Regeln gefüllt werden. Sie können Hosts auch in Form von Regulären Ausdrücken angeben, um etwa alle Hosts mit backup und ohne testing im Namen mit einem Eintrag zu erwischen.

9.4. Hostgruppen eines Hosts prüfen

Das Ergebnis Ihrer Zuordnungen können Sie auf der Statusseite eines Hosts prüfen, die Sie über in den Hosteigenschaften aufrufen. Hier finden Sie, standardmäßig weit unten, die Zeile Host groups the host is member of:

9.5. Hostgruppen einsetzen

Wie oben bereits erwähnt, können Sie Hostgruppen an drei Stellen einsetzen: Es lassen sich Ansichten erstellen, NagVis-Karten bauen und sie lassen sich als Filter in Regeln für Benachrichtigungen und Alerthandler nutzen. Wichtig ist dabei lediglich die Angabe von Hostgroups als Datenquelle. Im Views-Widget finden Sie freilich auch fertige Ansichten, beispielsweise eine praktische Zusammenfassung:

Über einen Klick auf die Namen der Hostgruppen gelangen Sie zur vollständigen Ansicht der Hosts dieser Gruppe.

Bei der Nutzung in NagVis-Karten bekommen Sie als Ergebnis beispielsweise Zusammenfassungen von Hostgruppen per Hover-Menü über ein einzelnes Icon:

Wenn Sie Hostgruppen in Alarmierungen und Alerthandlern nutzen, stehen sie als Bedingungen/Filter zur Verfügung:

10. Die Ordnerstruktur in der Monitoring-Ansicht

Die Baumstruktur, die sich durch die Folder ergibt, ist für Ihre Benutzer auch im Monitoring sichtbar. Zum Einen gibt es in allen Ansichten einen Filter WATO Folder, mit dem Sie die aktuelle Ansicht auf die Hosts unterhalb von einem bestimmten Ordner einschränken können:

Zum anderen können Sie auch über das Seitenleistenelement Folders die Ansicht auf der rechten Seite auf einen Folder einschränken:

Dieses Element arbeitet mit dem Element Views zusammen. Ein einmal gewählter Order bleibt erhalten, auch wenn Sie eine andere Ansicht wählen. Das klappt sogar für Dashboards. Probieren Sie es aus!